| Die
verzwickte Sache mit dem Märchenprinzen Zugegeben, ich war ziemlich aufgeregt an diesem Abend. Schließlich ging es um die erste reale Begegnung mit meinem Märchenprinzen. Trotz weniger, simpler Vorbereitungen für dieses Zusammentreffen musste ich alle Sinne beieinander behalten, um nichts zu vergessen. Es sollte ein besonders schöner Abend werden. Ich packte meine Tasche: Eine lille Flasche mit rotem Wein, dazu zwei, ach nein - ein Glas, eingewickelt in ein Geschirrtuch; ja, ich wollte mit ihm aus einem Glas trinken. Dazu kam ein Päckchen Salzkräcker, selbst gedrehte Zigaretten und ein Feuerzeug. Nein, er würde nicht rauchen, aber ich. Die kleine Notlaterne nahm ich in die Hand, falls es spät werden würde. So machte ich mich auf den Weg hinunter zum nahe gelegenen Strand. Die Sonne stand noch etwas über den Bäumen. Ich hatte genügend Zeit, um barfuss am Ufer entlang zu spazieren. Das Wasser war angenehm kühl und sehr wohltuend auf der Haut zu spüren. Mein Verstand schien erstaunlich klar, aber fragend: "Wie würde ich meinem Märchenprinzen am Wirkungsvollsten begegnen? Was würde ich zur Begrüßung sagen... einfach <Hey> wie einem lieben Freund?" Also, ich weiß nicht. Und wo genau würden wir uns treffen, um gemeinsam einen der wohl schönsten Sonnenuntergänge des Sommers zu erleben? Wie würde sich seine Umarmung anfühlen, ganz zu schweigen vom ersten Kuss? Bei dieser Vorstellung fing ich von innen her an zu glühen. - Fragen über Fragen. Ich blieb stehen und hielt Ausschau, von wo aus man am Besten dieses Farbschauspiel des untergehenden , roten Balles beobachten könnte. Ja, genau, dieser alte Holzsteg da vorne, der schien mir gut geeignet zu sein. Ich ließ mich dort nieder. Packte sorgfältig meine mitgebrachten Schätze aus, steckte die Füße ins leis plätschernde Wasser und mir eine Zigarette an. Puuuh. Ich hatte ihm geschrieben in einem Brief: "Noch bevor die Sonne das Meer berührt, wirst Du mich am Strand finden... ". Pust, hust! Mir kamen leise Bedenken. Bisschen unpräzise diese Angabe, oder? Der Strand ist lang... Einige Leute gingen vorbei. Einige Autos und Motorräder fuhren im Schritttempo oben die kleine Strasse entlang. Wie käme mein Märchenprinz zu mir... also... wenn er käme ? Auf leisen Sohlen von hinten angeschlichen, einem Windhauch gleichend, wie in meinen Träumen? Flüsternd mich beim Namen nennend? Einen Moment lang glaubte ich, ihn gesehen zu haben, direkt in der jetzt untergehenden Sonne. Hatte in seine Augen schauen können, den Bruchteil eines Sekündchens... in diese meerestiefen Augen. Ja, sie wären imstande, mich ganz versinken zu lassen, einzutauchen in irgendeine unbekannte Dimension. Bevor ich meinte ertrinken zu müssen, spürte ich von irgendwoher ein schwebendes aber gleichzeitiges, sicheres Getragenwerden. Dafür ertrank jetzt die Sonne gerade kurz über dem Horizont fließend hinter leicht gewölbten Hügeln... aber ihr Schein tauchte in gefärbten Orangerottönen alles ein, was sie umgab. Wunderbar, einfach wunderbar. Und ich saß nur still staunend da auf diesem alten Holzsteg, genoss es bei Wein und Salzkräckern... allein... oder? "Skol", mein Märchenprinz... ...tja, jedenfalls war er irgendwie da gewesen. Vielleicht auch nur für einen kurzen Moment und in meiner Vorstellung. Anmerkung: Ihm sei als Dank diese Geschichte gewidmet und... vielleicht... ...vielleicht kommt er ja noch mal, ganz unverhofft... dann, wenn ich es am Wenigsten erwarte.
|
||||
kazz-art |
|
|||